Teletubbi

Fahrrad (im Nessel eingenähte)Töpfchen (im Nessel eingenähte)

Realienkalender, 2003, Museum für Angewandte Kunst, Frankfurt/M.Fahrrad (im Nessel eingenähte)
Schwimmflügel, Teletubbie (im Nessel eingenähte)
Töpfchen (im Nessel eingenähte)
Realienkalender, 2003, Museum für Angewandte Kunst, Frankfurt/M.

...Die Nuancen der Kommunikation zum Beispiel, die über die Körperhaltung, die Körpersprache vermittelt werden, die wir am jeweiligen Ort unseres Lebens für diesen kulturellen Zusammenhang in einem langwierigen Prozess von Kindheit an non verbal erlernen, fokussiert sie in einem über Jahre entwickelten, zweiten Werkkomplex, der sich neben ihrer Malerei ausgebildet hat, den Kleidungsobjekten 1).

Anschließend an den Werkkomplex beginnt die Künstlerin mit einem Zyklus, der nunmehr nicht das Kleidungsstück für den Körper sondern die Gegenstände, zu denen der Mensch eine Beziehung herstellt, ins Visier nimmt.

Der Zyklus beginnt mit dem Tag der Geburt und dokumentiert von da an Abschnitte des in diese Welt Hineinwachsens. Den Gegebenheiten der Wirklichkeit begegnet das Neugeborene hier in Form von Gegenständen, die es Phase für Phase in einem Dialog begleiten. Mit und durch die Dinge vollzieht sich die Anpassung an die Realität. Jeweils zu seiner Zeit endet das Miteinander von Kind und Gegenstand und dieser wird von der Künstlerin in ihrer speziellen Technik aus der Realität herausgenommen, in Nessel eingenäht, mit Datum versehen und in das Archiv der Wirklichkeit überführt. Ihr Archiv entzieht das mit individueller Geschichte aufgeladene Objekt dem weiteren Gebrauch und zitiert seine Form zeichenhaft in der Nesselhaut, die symbolisch das körperlich abwesende Kind in einem Moment seines Lebens und in seiner Gesamtheit vertritt.2)

1) Die Form knüpft an Geläufiges an, Kleidungstücke, die sich ohne Menschen selbstverständlich rudimentär verstehen. Die Objekte sind sie Neukonstruktionen, seltsame Verfremdungen durch Doppelung, Reihung Verschränkung von bekannten Formen. Der Betrachter wird aufgefordert, sich vorzustellen, was geschehen würde, wenn er das Objekt anlegte. Das Unerwartete in diesem Vorgang, der auch aktiv durch Ausprobieren erfahren werden kann, enthält die eigentliche Erfahrung, die von dem Kunstobjekt initiiert wird. In der vorgestellten Nutzung offenbaren sich die Objekte als Psychogramm. Bieten sich an als Reflexionen über den Menschen, sein Befinden, seine sozialen Bezüge.
Vgl. a. in: 7. Triennale für Form und Inhalte, Deutschland und Korea, Frankfurt 1997, S. 72-75, 170.

2) Vgl. 9. Triennale für Form und Inhalte, Corporal Identity, USA und Deutschland, Frankfurt 2003, S.140
"Mirta Domacinovic-Textile Objekte", Dr.Sabine Runde, Frankfurt/M.